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Andy Lehmann Zürich

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Ueber das Sagen oder Schreiben.
05.01.2011

Mit dem neuen Jahr hat auch die offizielle Arbeitszeit des neuen Generaldirektor der SRG gestartet. Nach einigen recht zögerlichen Aeusserungen im alten Jahr und der redaktionellen Verabschiedung seines Vorgängers (von leicht kritisch in der Sonntags-Presse bis zur Lobhudelei in der NZZ) hat sich Roger de Weck jetzt erstmals richtig ausführlich auf der dienstäglichen Medienseite der NZZ geäussert.

Geäussert?

Die Ankündigung auf der Titelseite unter dem Titel "De Weck über die SRG" (!) versprach Folgendes: ".... wieder schwarze Zahlen zu schreiben. Dies sagt der neue Generaldirektor...". Sagt? Die Freude auf das Interview war gross, doch der Anblick der Seite 50 erstaunt. "Sieben Leitlinien für die SRG" steht da als Titel in grossen Buchstaben. Und dann legt Roger de Weck dar bzw. los - und zwar in 7 Punkten. Schritt für Schritt. Brainwash.

Die anderen Zeitung zitieren diese Aeusserungen in der NZZ als "Gastbeitrag". In Publikumszeitschriften müsste das leicht überspitzt gesagt als "Publireportage" überschrieben werden.

Aber was soll's. Wer Lust hat, die jetzt publizierten Leitlinien nachzulesen, kann das auf der Homepage der NZZ tun. Die Kapiteltitel versprechen allerdings nicht viel Lesefreude (1. Haltung, 2. Werte, 3. Ansprüche, 4. Service public? Service au public, 5. Neue Akzente, 6. Schweizer Miteinander, 7. Selbstbewusst und selbstkritisch). Urteilen Sie selbst.

Dass sich im Blick natürlich sofort die SRG-Kritiker melden, hat de Weck erfolgreich provoziert. Natalie Rickli (SVP) darf feststellen, dass beim de Weck-Wort "Citoyen" (statt Bürger) "natürlich sofort ersichtlich sei, dass seine Aufklärung eine politische Absicht hat, anstatt dass er neutral informiert" (Zitat). Und Filippo Leutenegger (FDP) darf feststellen, dass "der Service Public der SRG noch nie politisch diskutiert wurde".

Damit kann der Start in's 2011 als gelungen bezeichnet werden. Die Positionen sind bezogen. Jeder weiss es besser als der andere. Und die Presse lebt - denn wo sonst sind solche Debatten noch möglich.

In diesem Sinne wünsche ich ein spannendes 2011. Bis nächsten Dienstag.
 

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